Freitag, 6. Oktober 2017

Der King lebt! Vielleicht

Elvis has not left the building, ladies and gentlemen!
Das kann Tobias Geigenmüller in seinem Roman beweisen. Der Autor, der nach Elvis' (vermeintlichem) Tod zur Welt kam, hat nämlich recherchiert und berichtet von Elvis neuem Leben, fern ab des Starruhms. Vielleicht hat er sich aber doch einfach alles nur ausgedacht?
Denn aberwitzig ist das schon, durch welche Szenarien Geigenmüller den King in seinem Roman "Das ziemlich lebendige Leben des vermeintlich toten Elvis", pünktlich zum 40. Todestag erschienen, da jagt.

Anfänglich war ich skeptisch. Hatte ich das Buch als Elvis-Fan unbedingt haben müssen, gefiel mir auf den ersten Seiten überhaupt nicht, welchen Ton der Autor Elvis in den Mund legte. Dann aber gab ich mir einen Ruck und las den Roman um seiner Geschichte Willen. Und, wie gesagt, die ist durchaus aberwitzig. Elvis hat nämlich keinen Bock mehr darauf Elvis zu sein und fingiert seinen eigenen Tod. Nur wenige Eingeweihte wissen davon und so kann Elvis anfangen, ein bescheidene(re)s Leben zu führen - wenn er nur wüsste, wie das geht.
Er macht sich sozusagen auf back to his roots und beginnt als LKW-Fahrer von vorne. Aber schnell langweilt ihn die Routine und er schmiedet neue Pläne. Gejagt von Colonel Parker reist er weit und erlebt viel. Wie und was das unter anderem mit Michael Jackson, David Hasselhoff und dem Mauerfall zu tun hat, muss jeder selbst heraus finden.

Letztlich hat mich das Buch nicht überzeugt, wahrscheinlich hatte ich aber auch viel zu hohe Erwartungen. Wenn man diese herunter schraubt, ist es durchaus sehr unterhaltsam!
Und wenn Elvis nicht nochmal gestorben ist, dann lebt er noch heute!

Der Autor hat noch Einiges an Informationen zusammen gestellt, ein toller Link zur Unterhaltung (bei Rowohlt):
https://www.rowohlt.de/news/was-sie-schon-immer-ueber-elvis-presley-wissen-wollten.html

  • Das ziemlich lebendige Leben des vermeintlich toten Elvis, Tobias Geigenmüller
  • Rowohlt, ISBN 978-3871341816

Samstag, 19. August 2017

Teenieroman mit Erwachsenenpotential

Kim, 15 Jahre alt und ein typisch muffeliger Teenie ist die Protagonistin dieser Geschichte von Alina Bronsky. Eigentlich hat sie gar keinen Bock auf gar nix und eigentlich auch keinen Plan vom Leben. Ein Buch lesen kommt für sie niemals in Frage. Bis sie mit der Schule zu einer Lesung gehen muss - und in dem Buch der etwas unsympathischen Autorin Leah Eriksson geht es augenscheinlich um Kims eigenes Leben!
Das kann sie gar nicht glauben und muss sich den Roman selbst besorgen. Bis vor kurzem wäre das noch undenkbar gewesen - und auch ihre beste Freundin Petrowna hält Kim für durchgeknallt. Bis Kim sie überzeugt: Denn von der Scheidung der Eltern, bis hin zum neuen Baby des Vaters stimmt so ziemlich alles. Am Ende aber nimmt der fiktive Roman eine Wendung, die weder Kim noch Petrowna akzeptieren wollen - und so schreiten sie ein, die Geschichte umzuschreiben. Denn ihr Klassenkamerad Jasper soll am Ende des Romans sterben... Irrwitzig, und trotzdem noch etwas zu seicht für meinen Geschmack - die beiden Mädels hätten Potenzial gehabt!, verändern die beiden die Geschichte. Was zunächst an "Wenn Du stirbst zieht Dein ganzes Leben an Dir vorbei, sagen sie" erinnert, kommt allerdings nicht so richtig in Fahrt. Das ist schade, denn der Roman ist durchaus witzig und temperamentvoll.

In "Und Du kommst auch drin vor" erzählt Bronsky mit der Stimme eines muffeligen Teenagers - das führt dazu, dass man als Leser nicht immer gleich kapiert, was Kim will, aber gerade das macht den Charm des Romans aus, der eigentlich ein Teenagerroman ist. Durchaus lässt sich hier aber auch als Erwachsene etwas abgewinnen.


Und Du kommst auch drin vor, DTV
Alina Bronsky
ISBN 978-3-423-76181-9

Mittwoch, 11. Januar 2017

Na dann, guten Appettit!


Irgendwie muss Nelly über die Runden kommen. Mit Mitte 30, zwei Kindern und ohne Mann, dafür mit abgebrochenem Studium, sind ihre Chancen gering. Aus der Not also entwickelt sie eine Tugend und eröffnet an der Bergstraße einen "Mittagstisch"; inoffiziell versteht sich. Bal stehen die zahlenden Gäste Schlange. Darunter auch der gut aussehende Elektriker Markus, leider in Begleitung der unausstehlichen Gretel, seiner Freundin. Doch um Gretel muss sich Nelly bald nicht mehr sorgen, immerhin weiß sie von deren Erdnussallergie.
Den Menüplan aufzustellen wird bald Nellys kleinstes Problem, denn um Markus' Gunst buhlt nicht nur sie. Wäre da nicht "der Kapitän", Nelly wäre ganz schön aufgeschmissen. Immerhin taucht dann noch zu allem Übel der Vater ihrer Kinder wieder auf und will diese mit in die USA nehmen. Typisch Ingrid Noll weiß sich ihre Protagonistin aber gewitzt zu helfen. Dies ist der einzige Überraschungsmoment im Roman, alles andere ist vorhersehbar, aber dennoch toll zu lesen. Endlich wieder ein gelungener Roman der Grand Dame des deutschen (und lokalen) Krimis! Einzig das Ende kommt verhältnismäßig schnell daher, als ob ein zügiges Ende der Autorin gerade gelegen gekommen wäre. Das ist schade und ein wenig enttäuschend. Aber immerhin habe ich mir mit diesem Roman mal wieder eine Nacht um die Ohren geschlagen.
Wohl bekomm's!

Ingrid Noll

Der Mittagstisch, Diogenes

ISBN 978-3-257-24370-3

Mittwoch, 4. Januar 2017

Zwölf Mal Sehnsucht

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Zwölf Tage hat Juli Zeit, um abzuschließen mit dem was war. Oder um neu anzufangen. Denn Jakob kommt. Mit einer kurzen Email hat er sein Kommen angekündigt. Einfach so. Nach all der Zeit. Und nachdem er ihr damals das Herz gebrochen hat.

Zwölf Tage, das heißt in Julis seltsamen und unorganisierten Leben, zwölf Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen, darunter ihr Zahnarzt, Mutter und Vater, sowie Nachbarn. In zwölf kleinen Kapiteln arbeiten wir mit Juli wie in einem Adventskalender die Tage bis hin zum Wiedersehen ab - und am Ende stockt uns mit Juli der Atem.

img_20170104_134753Astrid Rosenfeld  hat mit diesem Roman einmal mehr ein Buch geschrieben, dass ich geradezu verschlungen habe. Es ist kurz, leider, fast wie in einer short story werden die Leser hineingeworfen in Julis Geschichte und man muss sich erst einmal zurecht finden. Dann aber will man eigentlich mehr - und bleibt doch alleine zurück.

Der Roman ist melancholisch, lustig, manchmal absurd, aber ebenso fesselnd und auf seine Art immer wieder traurig. Ein Buch, das ich immer wieder lesen möchte. Besonders die vielen klugen Zitate, welche die Kapitel beenden. 

 

Astrid Rosenfeld

Zwölf Mal Juli, Diogenes 

ISBN 978-3-257-06935-8