Donnerstag, 17. April 2014

Romeo und Julia 2014

Vor wenigen Tagen bekam ich einen Brief. Wann bekommt man heute noch Briefe? Zugegeben, ich bekomme öfter ganz wunderbare Zeilen von Menschen, mit denen ich meistens nur mittels Brief korrespondiere. Aber dieser Brief war besonders. Darin schrieb mir der Absender, er habe meine Handynummer nicht mehr. Irgendwie zogen sich in meinem Gehirn beim Lesen Verknüpfungen: Wie wäre es wohl Romeo und Julia im Zeitalter von modernen Medien, Handyverträgen und facebook gegangen? Folgende Kurzfassung ist daraus entstanden?
Seit Generationen besteht Feindschaft zwischen den beiden Veroneser Familien Capulet und Montague. Ein Nachbarschaftsstreit, den auch schon Barbara Salesch und Alexander Hold nicht innerhalb des Nachmittagsprogrammes lösen konnten. Romeo-Pasquale, ein Montague, hat sich unbemerkt auf eine Karnevalsparty der Capulets geschlichen. Dort begegnet er Juliette-Chantal, der schönen Tochter der Capulets. Ein Augenblick genügt und das wohl berühmteste Liebespaar der Weltliteratur hat sich gefunden.
Bild: http://www.moviebazaar.de/filmromj.htm
Der Ungeduld ihrer Herzen folgend, lassen sich Romeo-Pasquale und Juliette-Chantal heimlich von Bruder Lorenzo trauen. Der Franziskanermönch erhofft sich durch die Hochzeit die Versöhnung der verfeindeten Familien. Und damit eine eigene Fernsehsendung: Zwei bei Lorenzo.
Doch Romeo-Pasquales Leben nimmt eine unverhoffte Wendung. Kevin-Tybalt, ein Vetter und Ex-Freund Juliette-Chantals, passt ihn auf facebook ab und versucht, ihn zum Kampf zu reizen. Romeo-Pasquale weigert sich, auf die Provokationen einzugehen und Mercutio-Brooklyn kämpft an seiner Stelle. Als Romeo-Pasquale doch noch zwischen die Kämpfenden tritt, um die drohende Eskalation des Streits zu verhindern, wird er ungewollt zum Anlass der Ermordung Mercutio-Brooklyns. Blind vor Trauer und Wut über den Tod seines Freundes ersticht er daraufhin Kevin-Tybalt. Romeo-Pasquale wird daraufhin aus Verona verbanntund sein facebook-Profil gesperrt.
So bleibt den Liebenden eine einzige, natürlich viel zu kurze Nacht - ihre Hochzeitsnacht. Beim ersten heiseren Ton der Lerche flieht Romeo-Pasquale schweren Herzens nach Mantua. Sein Handy hat er vergessen.
Paul-Paris hält derweil um Juliette-Chantals Hand an und ihre Eltern, bislang eher unentschlossen, ob Juliette-Chantal nicht doch lieber eine Frisör-Lehre beginnen sollte, drängen zur baldigen Hochzeit mit dem Grafen. Verzweifelt bittet Juliette-Chantal Bruder Lorenzo um Hilfe. Der gibt ihr eine neumodische Droge, die sie vierundzwanzig Stunden in einen todesähnlichen Zustand versetzt.
Am Hochzeitsmorgen findet das Au-Pair-Mädchen die leblose Juliette-Chantal, die in der Familiengruft der Capulets aufgebahrt wird. Nach ihrem Erwachen soll sie dort auf Romeo-Pasquale treffen.
Doch die SMS, die Romeo-Pasquale von Lorenzos Plan unterrichten soll, erreicht ihn durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle nicht. Außerdem hat er das Handy ja auch gar nicht bei sich (Warum auch? Facebook ist ja gesperrt!) Stattdessen erhält er eine whatsapp-Nachricht von Juliette-Chantals vermeintlichem Tod. Er besorgt sich ein schnell wirkendes Gift und eilt zurück nach Verona.
In der Gruft der Capulets trifft er auf den Grafen Paul-Paris, den er in einem wütenden Battle tödlich verwundet. Romeo-Pasquale schluckt das Gift und stirbt zu Füßen Juliette-Chantals. Diese erwacht wenige Augenblicke später, erkennt das Mißlingen ihres Plans und tötet sich mit Romeo-Pasquales Schwert. Endlich, über den Leichen ihrer Kinder, die Sinnlosigkeit ihres gegenseitigen Hasses erkennend, beenden die Capulets und Montagues ihre Nachbarschaftsstreitigkeit.
Bruder Lorenzo bekommt eine eigene Nachmittagssendung. Und auch die Capultes und Montagues sind gerngesehene Fernsehgäste.

Sonntag, 13. April 2014

Liebe nach Auschwitz

100_6761Ein besonderes Buchcover, das aussieht wie altes Birkenholz, oder aber wie eine Steinmauer oder aber wie Asche auf hellem Grund - es gibt viele Deutungsmöglichkeiten. Ein besonderes Cover eben für ein nicht weniger besonderes Buch. Es geht um Auschwitz, wieder einmal. Das ist nicht abschätzig gemeint. Im Gegenteil. Auch ich vertrete die Ansicht, dass es darüber nicht genügend Literatur geben kann (zum Erinnern, zum Mahnen, usw.). Es ist nur so, dass oftmals im selben Atemzug mit diesen Erzählungen gefragt wird: Was kann man eigentlich darüber noch erzählen? Oder: Kann man darüber noch erzählen? Die Antwort ist: Ja. Monika Held macht es vor. In "Der Schrecken verliert sich vor Ort" erzählt sie vom Schrecken Auschwitz', der Heiner noch immer verfolgt (vorwiegend nachts). Sie erzählt aber auch von einer Liebe - nämlich der des ungleichen Paares, das Heiner und Lena werden. 
100_6760Während er mit diesem Schrecken lebt, muss Lena versuchen, erst einmal zu begreifen und damit umzugehen. Ein Experiment für beide - aber das ist die Liebe doch immer, unabhängig ihrer Herkunft. 
Spannend erzählt Monika Held von dieser Liebe und erweitert damit den Diskurs (frei nach Adornos voreiligem Verdikt, nach Auschwitz dürfe kein Gedicht mehr geschrieben werden) auf die Frage: Wie sieht Liebe nach Auschwitz aus und kann es für sie Bestand geben?

Monika Held

Der Schrecken verliert sich vor Ort, Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-8387-2535-2

Samstag, 12. April 2014

Lyrik-Monument

Lit 
100_7769Heute wird es lyrisch- um nicht zu sagen: literarisch-wertvoll. Ein dicker Band hat mich einige Zeit begleitet. Darin "Gesammelte Gedichte" von Ulla Hahn
100_7768Für mich als Germanistin sozusagen ein "All-you-can-eat" in Buchform. Wie einige sich aufs Essen stürzen, habe ich mich auf die vielen Seiten voller Lyrik gestürzt. Dabei bin ich sprichwörtlich gestürzt, nämlich über ein Gedicht für die von mir sehr verehrte Hilde Domin und über Hahns wunderbare Wortwahl(en).
100_7770Vierzig Jahre (!) lyrischen Schaffens konzentriert in einem Band - das ist sozusagen eine volle Dröhnung. Deshalb kann man das Buch auch nur in Stückchen genießen. Aber die sind es wert - vor allem auch wert immer wieder und wieder gelesen zu werden. Mir persönlich haben die Anfangs-Gedichte besser gefallen, als die "modernen", wobei auch diese einen Reiz haben. Hahns Sprache und ihre Sprachbilder (Leben, Altern, Lieben, Sterben) haben mich fasziniert. Hätte ich nicht schon ein Thema für meine Dissertation, hier fände ich sicherlich genug Stoff. 
Unbedingt Lesen und der Lyrik eine Chance geben! Danke Ulla Hahn für dieses Monument!

ULLA HAHN

Gesammelte Gedichte, DVA Belletristik 

ISBN: 978-3-421-04220-0

Freitag, 11. April 2014

Mord in Paradies

Crime

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Heute wird es einmal wieder kriminell. Nicht, weil ich wieder einmal (kleinlaut) zugeben muss, dass ich eigentlich gar keine Krimis mag, naja, jedenfalls nur bestimmte, und warum, das weiß ich eigentlich auch nicht, aber das ist ja auch gar nicht das Thema... Vielmehr muss ich doch mal zur Abwechslung einen Krimi empfehlen, nämlich aus dem Pendragon Verlag. Rober B. Parker hat mich mit "Das dunkle Paradies. Ein Fall für Jesse Stone" ziemlich gefangen genommen.
Nach einer gescheiterten Ehe und der Flucht in den Alkohol steht Jesse Stone einen schweren Fall gegenüber: Mehrere Morde müssen aufgeklärt werden. Und das auch noch in dem idyllischen Städtchen "Paradies", wohin er aus L.A. geflüchtet ist. Nicht genug, dass ihn die eigenen Dämonen nicht loslassen, so muss Stone doch feststellen, dass er es bald noch mit anderen bösen Dingen zu tun hat, wovon Korruption und Misstrauen noch die harmlosesten zu sein scheinen. 
100_6440Ein wirklich spannender Roman, den mir dann noch mein Vater abluchste, um ihn wie gebannt in einem Rutsch durchzulesen! :-)
Und dann noch dazu die zum Quietschen niedliche Karte, die dem Buch beilag. Spannung und Niedlichkeitsfaktor - was will frau mehr von einer Büchersendung? ;-)

Donnerstag, 10. April 2014

Vom Vermissen


IMG_20140319_164437Maud ist alt. Sie hat Alzheimer. Ihr persönlich macht das nicht allzuviel aus - sie vergisst es ja immer wieder. Aber für ihre Mitmenschen ist sie schon eine gewisse Belastung. Nicht nur, dass sie immer wieder Dosenpfirsiche einkauft und bunkert, sondern weil sie eines immer wieder steif und fest behauptet: Ihre beste Freundin Elizabeth wird vermisst. Um das nicht zu vergessen, schreibt sich Maud immer wieder Zettel mit ihren neuesten Erkenntnissen. Immer wieder geht sie auch zum Haus ihrer Freundin. Aber Elizabeth kann sie nicht finden. Maud ist sich sicher, es ist etwas Schreckliches passiert. So wie damals, als sie noch jung war, und ihre Schwester Sukey für immer spurlos verschwand!

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Emma Healy verknüpft federleicht zwei Geschichten: Gegenwart und Vergangenheit hängen unheilvoll zusammen. Dabei verliert sie ihr Überthema, das Vermissen, nie aus den Augen und bringt es in den verschiedensten Variationen ein.

Aus Mauds Sicht wird der Leser langsam zurück geführt in die Vergangenheit, bleibt aber auch - eben wie Maud - stecken in einer undurchdringlichen Gegenwart. Ein sehr berührender Roman!  Besonders schön und überraschend: Das Post-it im Roman!


Emma Healey

Elizabeth wird vermisst, Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-7857-6110-6

Mittwoch, 9. April 2014

Dumm, dümmer, hochbegabt

1-3-5-4-6-7-0-978-3-404-60750-1-Janz-Der-ist-ja-nicht-doof-nur-irgendwie-hochbeg-orgEigentlich hatte ich gehofft, Tanja Janz würde aus ihrem Leben als Nachhilfelehrerin ein klein wenig auch aus meinen eigenen Erfahrungen berichten. In ihrem Sachbuch "Der ist ja nicht doof, nur irgendwie hochbegabt" beschreibt sie viele Szenen, die sie als Lehrende erlebt hat. Nur leider sind diese nicht so lustig, wie der Titel es nahe legt. Auch aus meinen Erfahrungen berichtet sie nur wenig. Dabei habe ich selbst erlebt, wie einzigartig, skurril und wahnwitzig ein Tag in der Nachhilfe sein kann. Natürlich nicht jeder, aber ich könnte Geschichten erzählen... Anders als Tanja Janz, die noch dazu oft einen belehrenden Tonfall annimmt, sich selbst am liebsten in ein gutes Licht rückt und dabei irgendwie besserwisserisch rüber kommt. Sehr schade für das Buch, das ich nichtsdestotrotz gerne gelesen habe. Tanja Janz berichtet von der Vielseitigkeit eines Nachhilfelehrers, von einigen (wenigen) lustigen Begebenheiten, aber auch von den Unzulänglichkeiten des Schulsystems und seinen Opfern.

Tanja Janz

Der ist ja nicht doof, nur irgendwie hochbegabt

Unkorrigierte Geschichten aus der Nachhilfestunde 
ISBN: 978-3-404-60750-1, Bastei Lübbe

Montag, 7. April 2014

So ein Tag

xsYWDBYQ9NEne-50USizjAEs gibt Tage, da springen mir die Worte aus den Fingerspitzen, spazieren über die Tastatur, streicheln die einzelnen Buchstaben, formieren sich zu Wortgruppen, letztlich zu Sätzen und lassen sich auf den leeren Seiten eines neuen Buches nieder.
Danach kommt die Durststrecke. 
Es gibt keine Worte. Es gibt nichts zu sagen. Schon gar nichts innerhalb eines Romans. 
Ein wenig Zeitungsarbeit vielleicht. Ein wenig Konversation.
Dann gibt es Tage, da kann ich nicht einmal Konversation betreiben. Alles zu viel. Selbst das gute im Morgen.
Und doch fordert man Worte von mir.
Manche gelingen. Andere stolpern an der Schwelle der Lippe.
Es gibt Tage, da muss ich schweigen können. Ich gehe das Geschrieben durch und wundere mich darüber, nicht notwendigerweise negativ.
Heute ist so ein Tag.