Mittwoch, 24. Februar 2016

Dem King ganz nah

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Wenn die Großen gehen, dann wird oft gemunkelt, sie seien gar nicht tot, sondern nur ab- oder untergetaucht. Das GerĂŒcht hĂ€lt sich auch um den King Elvis Presley hartnĂ€ckig. Vielleicht verheiratet er ja tatsĂ€chlich in Las Vegas HeiratswĂŒtige, oder nimmt an einem Imitatoren-Wettbewerb teil und geht mit dem zweiten Platz lĂ€chelnd nach Hause. Oder er tourt derzeit durch Deutschland. Das jedenfalls legt die Show "Elvis -Das Musical" nahe. Denn wenn Imitator Grahame Patrick die BĂŒhne betritt, dann wird der Zweifel an der Lebendigkeit des Kings so mikroskopisch klein.
DSC011872007 habe ich ihn schon einmal gesehen, im Estrel Hotel in Berlin. Damals schon war ich hin und weg - leider auch zu weit weg, um den "King"  in Action auf der BĂŒhne sehen zu können. Ein Erinnerungsfoto nach dem Auftritt ist mir geblieben, ich ein pausbĂ€ckiger Backfisch, mit ebenso erhitzten roten Wangen, wie fast zehn Jahre spĂ€ter. 
Das Konzert im fast ganz besetzten - und leider bestuhlten - Mannheimer Rosengarten beginnt mit dem Sinatra-Song "(I did it) My way". Und ja, sie haben es beide auf ihre Art gemacht: Elvis und Patrick, der King seinerzeit als Erfinder des Rock'n'Roll, Patrick heute als eine Art Mittler zwischen der Welt der Lebenden und der Toten. 
DSC01185Nach dem ersten Song wird die BĂŒhne dunkel, Nachrichten aus aller Welt verkĂŒnden das plötzliche Ableben des Kings. Danach formiert sich auf der BĂŒhne das "The Stamps Quartett" zu einem Solo im Gedenken an Elvis. Und dann beginnt die Show erst richtig. 
Von Elvis AnfĂ€ngen an in den Sun Records Studios bis zu seiner Zusammenkunft mit Colonel Parker (witzig, ironisch und definitiv liebenswerter als der echte Colonel: Daniel Neumann) . Untermalt werden die gespielten Szenen mit original Bildmaterial. Dann blendet die Kamera in einem Blinzeln ĂŒber auf die BĂŒhne und kurz muss man da als Zuschauer schon ĂŒberlegen, was man sieht. Immerzu authentisch sind die KostĂŒme, in denen Patrick immer wieder ĂŒberrascht. Dazu einige schöne TĂ€nzerinnen, eine großartige Live-Band - und der Atem stock bei fast jedem Song.  "My happiness", "Heartbreak Hotel" und "Are you lonesome tonight?", "Bridge over troubled water" und "Polk Salad Annie" sind nur einige davon.
DSC01186Aber auch Elvis' Gospel Favoriten wie "How great thou art" oder "Sweet sweet spirit" werden zu Gehör gebracht. Und es sind gerade die etwas "unbekannteren", nicht so oft gehörten Songs, die GĂ€nsehaut machen. Besonders emotional wird es aber auch, wenn Ed Enoch von Grahame Patrick ins Rampenlicht geholt wird. Enoch hat noch mit Elvis höchstpersönlich getourt. Es st berĂŒhrend zu sehen, mit welcher IntensitĂ€t er auf Patrick eingeht. Irgendwie wird man das GefĂŒhl nicht los, dass Enoch selbst tief berĂŒhrt ist, nach wie vor getroffen von dem Verlust seines "Bruders", den er nun so eigenartig lebendig wieder neben sich stehen sieht. Noch einmal darf er mit ihm zusammen auftreten, wenn seiner alter Freund auch nur auf Leinwand zu sehen ist; in Patrick hat Enoch einen wĂŒrdigen Imitator erkannt.
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Programmheft, CD Collection, Ticket, T-Shirt auf Elvis-BettwÀsche mit roter Rose
Aber Grahame Patrick ist mehr als nur ein Imitator, er hat nicht nur die Begabung, Elvis nachzuahmen, auf der BĂŒhne lebt er den King. Ich, die ich acht Jahre nach Elvis' Tod auf die Welt gekommen bin, fĂŒhle mich plötzlich Elvis nĂ€her. Und eine TrĂ€ne kann ich mir dann am Ende bei "An American Trilogy" doch nicht verkneifen, so getroffen fĂŒhle ich mich plötzlich von Patricks Stimme.
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Frei nach "Erdmöbel": "im Elvis T-Shirt"
Ein wenig zu kurz an diesem Abend kommt fĂŒr mich dann doch Elvis' private
Geschichte, wenngleich sie auch angerissen und in einigen Bildern erzĂ€hlt wird. Aber, was will man noch in fast drei Stunden Konzert inklusive Pause packen? Solide erzĂ€hlt wird Elvis Presleys Werdegang vom LKW Fahrer zum Weltstar, einige witzige Passagen sind dabei, sie wechseln sich mit den allzu gefĂŒhlvollen oder zu wild-rockigen ab. Irgendwann aber ist auch an diesem Abend Schluss. Nach Zugabe um Zugabe beordert Patrick die Zuschauer schließlich ins Bett. Einen Absacker jedoch hat er noch fĂŒr uns bereit: "Muss i denn, muss i denn zum StĂ€dtele hinaus - und Du mein Schatz bleibst hier" singt er mit Akzent. Also gehen wir mit erhitzten Wangen und schmerzenden HĂ€nden nach Hause. Was bleibt ist die Erinnerung an den King, die VortĂ€uschung eines Abends, den wir in seiner NĂ€he verbringen durften, ein Elvis T-Shirt und ein wenig Wehmut, die immer mit all diesem verknĂŒpft sein wird.






http://www.elvis-musical.co/de/home/

Freitag, 1. Januar 2016

Allen Freunden und Bekannten, Lieben, Lesern und Verwandten einen guten Rutsch ins Jahr 2016. Vielen Dank fĂŒr viele Erinnerungen und Emotionen. Auf ein gutes Jahr, das kommt!

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Freunde, komme was wolle!

"Freunde, komme was wolle!", das haben sich auf dem Schulhof einst May und Libby geschworen. FĂŒr May geht diese Freundschaft weit hinaus ĂŒber Libbys tragischen Tod. Denn auch Jahre spĂ€ter kann May sich damit einfach nicht abfinden. Als dann noch ein Sticker mit der Figur "Princess X" auftauchen, die May und Libby einst gemeinsam erschaffen haben, ist May restlos ĂŒberzeugt: Libby ist am Leben!

Und so macht sich May auf die Suche nach ihrer Freundin. Schnell kommt sie im Internet auf eine FĂ€hrte, die sie nichts Gutes ahnen lĂ€sst. Wurde Libbys Mutter ermordet und Libbys Tod nur vorgetĂ€uscht? Mit Hilfe von Trick taucht May immer weiter in  die Tiefen des WorldWideWebs ein und in einen Internetcomic, der auf den Zeichnungen ihrer Kindheit basiert. Aber, wird sie ihre beste Freundin tatsĂ€chlich finden?

Cherie Priest hat einen fesselnden Jugendroman geschrieben. Besonders macht ihn aber, dass die ErzĂ€hlung auch auf einigen Seiten als Comic weiter erzĂ€hlt wird. Das war fĂŒr mich neu und daher so lesenswert.

Ich bin Princess X, Bloomoon
ISBN: 978-3-8458-1229-8
ErhÀltlich ab Januar 2016



Mittwoch, 2. Dezember 2015

Adventskalender


In diesem Jahr gibt es meinen Adventskalender auf facebook zum Sofortöffnen.

Kommt vorbei und gebt der Seite ein Like.
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1025022297518696.1073741834.154763577877910&type=3

Donnerstag, 12. November 2015

Das Buch der BĂŒcher

dbdvdBekanntlich weine ich ja ziemlich oft beim Lesen. Auch danach dann noch. Und oft verfolgen mich (gute) BĂŒcher. So soll es ja auch sein, von schönen Dingen lĂ€sst man sich gerne verfolgen. Als meine Chefin mir "Das Buch der verlorenen Dinge" als Geschenk auf den Schreibtisch legte, ahnte ich nicht, wie sehr mich dieser Roman verfolgen, wie sehr ich weinen wĂŒrde. Dieses Jahr mit Abstand mein Highlight im BĂŒcherregal ist das Buch der BĂŒcher von John Connolly!
Besonders hat mir gefallen, wie aus allen Seiten der Geschichte die Liebe zu BĂŒchern, zu Worten und zum ErzĂ€hlen sprachen. Denn der kleine Protagonist David liebt BĂŒcher. Dank seiner Mutter weiß er sie sehr zu schĂ€tzen. Doch der Tod seiner geliebten Mama verĂ€ndert alles. Davids Vater heiratet erneut, ein kleiner Bruder wird geboren und David lebt im Haus der Familie seiner Stiefmutter. Das Einzige, das er noch hat, sind die BĂŒcher in seinem Zimmer, die er sprechen hören kann. Eines Tages sieht er den Krummen Mann im Haus umhergehen und schließlich hĂ€lt David es nicht mehr aus: Er folgt der Stimme seiner Mutter in den Garten und hinein in ein Loch in einem Baum - und gerĂ€t in eine mĂ€rchenhafte Welt. Allerdings entpuppt sich diese Welt schnell als eine böse MĂ€rchenwelt, in der nichts so ist, wie man es aus den ErzĂ€hlungen kennt. David erfĂ€hrt, um zurĂŒck zu gelangen ins seine Welt, muss er dieses Land durchqueren und den König finden. Denn der König ist im Besitz des Buches der verlorenen Dinge, in dem stehen soll, wie David nach Hause finden kann.
Also macht David sich auf den Weg und muss mehr als einmal ums Überleben kĂ€mpfen. Das Schöne am Roman ist, dass er nicht mit einem Happy End belanglos endet, sondern den Leser auch wissen lĂ€sst, was aus allen handelnden Personen geworden ist.
Mit Abstand mein Lieblingsbuch des Jahres 2015!

Das Buch der verlorenen Dinge, Ullstein

Mittwoch, 11. November 2015

Der Mensch Faber

Walter Faber ist Techniker mit Leib und Seele, wobei er an die Seele nicht so recht glauben mag. Wie gesagt, er ist Techniker. Aber auch in seiner Brust wohnt mehr als ein Walter Faber, nĂ€mlich der Mensch, der Vater, der Mann und eventuell einer, der lieben kann. Daher verwundert es nicht, dass im Nationaltheater Mannheim gleich vier Walter Faber auf der BĂŒhne stehen. 

»Ich glaube nicht an FĂŒgung und Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen. Wieso FĂŒgung?« (Walter Faber)

Ein wenig verwirrend ist das teilweise schon, wenn  Michael Fuchs (mit vollem  Körpereinsatz der sympathischste Faber, wenn auch ein bisschen weniger Nacktheit nicht schlecht gewesen wĂ€re), Jacques Malan (vielleicht der beste "alternde" Faber, Boris Koneczny (mit Abstand der emotionalste Faber) und der wunderbare Reinhard Mahlberg mit der unverwechselbaren Stimme. Er ist der  ĂŒberzeugendste, glatteste Faber, dennoch gleichen sich alle vier zu sehr, um sich drastisch abheben und einen Charakter Fabers hervorheben zu können; alle auch Nebenfiguren Herbert, Williams, ein Kellner und der Jugendfreund Joachim.

DSC_0004Wunderbar lasziv, Almut Henkel, mal als Fabers Freundin Ivy, dann tough als allein erziehende Mutter von der gemeinsamen Tochter mit Faber, Hanna. Ein wenig zu aufsĂ€ssig, zu wenig verletzlich, Carmen Witt als Sabeth, die das alles aber wieder durch ihren Charme und ihre wunderschöne Singstimme wieder ausgleicht. 

"Ich hatte ganz vergessen, dass jemand so jung sein kann" (Walter Faber)

Der Schwerpunkt des StĂŒckes nach dem Roman von Max Frisch liegt in Mannheim ganz klar nicht auf der verbotenen Liebesbeziehung zwischen Vater und Tochter, sondern vielmehr auf der Person Walter Faber. Sympathischer wird er dadurch nicht, auch verliert Sam Shepards Verkörperung in der Verfilmung von 1991 nicht an Anziehungskraft. Ganz schafft es das StĂŒck nicht an diese Verfilmung heran, irgendwie fehlen die GĂ€nsehautmomente und dennoch hat es gefallen. Vergleiche sind hier ohnehin nicht angebracht, eine Entscheidung zwischen den beiden unmöglich. Immer wieder will ich danach das alte Schulbuch aus dem Regal nehmen und wieder eintauchen in die kalte, tragische Welt des Menschen Faber.

http://www.nationaltheater-mannheim.de/de/schauspiel/stueck_details.php?SID=1961

Samstag, 10. Oktober 2015

Liebe &Liebe

Wie angekĂŒndigt, wĂŒrde ich mich nun noch an dieser Stelle ĂŒber einen weiteren Roman von John Green auslassen. Dieses Mal den Roman "Will & Will", aus der Kooperation mit David Levithan. 
DSC_0001Ein wenig verwirrend und zĂ€h beginnt der dicke WĂ€lzerja, das muss ich zugeben. ZunĂ€chst wird man nicht so recht schlau aus all den beteiligten Personen. Dann aber wird klar, parallel wird von zwei Jungen erzĂ€hlt, die beide Will Grayson heißen und in Chicago leben. Sie sind beide mitten in der PubertĂ€t und haben beide ein Problem mit der Liebe. Also beschließen sie unabhĂ€ngig von einander - denn sie kennen sich NOCH nicht - dass sie sich auf Romantik nicht einlassen werden.
WĂ€hrend Will Grayson I in Jane verliebt ist, sich dabei noch mit seinem nervigen, aber liebenswerten, Freund Tiny herum schlagen muss, ist Will Grayson II online unterwegs und sucht dort die große Liebe. Letztlich kommt es fĂŒr beide zum großen Outing. Letztlich fallen beide irgendwie, mehr oder weniger, auf die Nase. Und das alles Ă€ndert sich, als Will & Will eines Abends ganz zufĂ€llig aufeinander treffen...
Ein warmes Buch ĂŒber die ersten Versuche in der Liebe, ĂŒber das Schwul- und Normalsein, eben ein typischer John-Green-Roman, der mit SilberfĂ€den einer anderen Tonart durchsetzt ist. Ein lesenswerter Roman, wenn auch nicht mein John-Green-Highlight (wie auch, nach Margo?). In diesem Sinne: "Nur wer Liebe wagt, kann Liebe gewinnen".

JOHN GREENDAVID LEVITHAN

Will & Will, cbt

ISBN: 978-3-570-30885-1