Samstag, 30. August 2014

Zum Mond, aber nicht mehr zurück

100_8649Es kommt wirklich nur selten vor, dass ich Bücher nicht fertig lese. Ich gebe jedem Buch eine Chance. Aber das Leseexemplar von "Der Sommer, in dem meine Mutter zum Mond fliegen wollte" lag viel zu lange immer neben mir in der Küche (dort lese ich meistens) und wir kamen nicht voran. Entsprechend der sommerlichen Hitze im Roman, waren wir träge und kämpften um jede Zeile. Über die Hälfte haben wir zusammen geschafft -  dann musste ich kapitulieren. Es gibt dafür nicht einmal ausreichend Gründe. Ich glaube, wir beide haben einfach nicht zusammen gepasst. Denn die Grundidee gefiel mir sehr.  LARS SAABYE CHRISTENSEN erzählt von einem Sommer in Osloder Jahre später irgendwo anders reflektiert wird. Nämlich vom Schriftsteller Funder, dem Protagonisten, dem wir zuerst als Kind begegnen und der als Erwachsener noch immer an sich selbst zweifelt und auf der Suche nach sich selbst ist. Ein großes Thema, das alle Literaten lieben.
Was auf der Verlagsseite "Wie er schließlich lernt, sich selbst mit anderen Augen zu sehen und der Phantasie gestatten kann, Einzug in seine wirkliche Welt zu halten, ist eine der zärtlichsten Wendungen in diesem großen, berührenden Roman" heißt, konnte ich leider nirgendwo entdecken. Und dafür entschuldige ich mich. Ich hätte es wirklich gerne entdeckt. Aber Funder und ich, wir suchen wohl besser getrennt weiter. Ich hoffe, dass ein anderer Leser ein Happyend mit diesem Roman erleben kann! 

LARS SAABYE CHRISTENSEN

Der Sommer, in dem meine Mutter zum Mond fliegen wollte, btb

ISBN: 978-3-442-75417-5

Donnerstag, 28. August 2014

Ein Scheusal namens Ove

100_8647Ove begegnen wir zum ersten Mal in einem Elektrofachgeschäft. Er ist - sagen wir es einmal freundlich - ein schwieriger Kunde. Ein Scheusal. Einer, mit dem man nicht geschenkt befreundet sein möchte. Doch dann wird die Erzählung zurück gedreht - und der Leser nähert sich Ove (ungewollt) an. Dabei stellt man fest, dass man ihn richtig gerne haben kann. Dass er einmal ein liebender Mensch gewesen ist. Und plötzlich ist es da: Das Verständnis für Ove und der Wunsch, er möge ein besseres Leben haben. Und die Angst, er könne sich tatsächlich im Wohnzimmer erhängen.
So schwankt man beim Lesen zwischen Abscheu, Verständnis, Zärtlichkeit, Traurigkeit und Sorge um und für Ove. Fredrik Backman erzählt in "Ein Mann namens Ove" mit Witz und Augenzwinkern von diesem Höllennachbarn, der mit der Zeit hart und kalt geworden ist, aus Trotz und aus Prinzip; der seiner Liebenswürdigkeit selbst nicht über den Weg traut und der ohne seine Frau nicht mehr sein mag, und doch muss. Liebevoll und Schritt für Schritt wird Ove in die Welt zurück geholt, in der er eigentlich nicht mehr sein will. Welche Rolle dabei ein I-Pad und eine Katze mit einem halben Schwanz spielen, sollte jeder herausfinden. Ich persönlich würde Ove wirklich gern kennen lernen. Der Roman um Ove ist meine absolute Leseempfehlung in diesem Sommer - ein Roman, der hoffentlich verfilmt wird!

Fredrik Backman

Ein Mann namens Ove, S. Fischer Verlag

ISBN: 978-3-8105-0480-7

Mittwoch, 27. August 2014

Heiraten mit Hindernissen

aPhilipp Seitz könnte nicht glücklicher sein: Er hat einen tollen Job in den Medien und lebt mit seiner Traumfrau Mia zusammen. Da kommt ihm eine geniale Idee: Übers Fernsehen will er Mia einen Heiratsantrag machen und noch dazu die Wohnung kaufen, in der die Beiden zusammen leben. Nur sein bester Freund Benny hat es schwer. Aus Mitleid für Benny, beim Kauf der Wohnung und in Vorbereitung des Heiratsantrages macht Philipp einen Fehler nach dem anderen. Dann verschwindet sein Makler  mit Philipps Geld, sein Chef kündigt ihm und dann gibt es da noch dieses Missverständnis in einem Bordell, in das ihn Benny schleppt… Das alles erzählt Lutz Schebesta in "Antragsfieber" unfassbar lustig und in wahnwitzigem Tempo. Manchmal schämt man sich dabei herrlich fremd. Leider ist der Roman viel zu schnell ausgelesen! Wer Romane im Stil von Tommy Jaud und Susanne Fröhlich mag, der wird dieses E-Book lieben! Mein E-book-Reader jedenfalls hat sich endlich mal wieder über meine Zuneigung gefreut und ich freue mich, mehr Bücher von Lutz Schebesta zu lesen!

Antragsfieber, eRiginal, Feelings

ISBN: 978-3-426-43310-2


2015 wird der Roman unter dem Titel "Hochzeitsheld" neu aufgelegt. Und sogar meine Lesermeinung wird zitiert! hochzeitsheld

Freitag, 22. August 2014

"Sommerzeit ist Ferienzeit"

eb0fa29f_l "Sommerzeit ist Ferienzeit", diese Liedzeile habe ich mir bei basta geliehen, um mich zu verabschieden - für einige Tage jedenfalls. Daher wird es hier ein wenig ruhiger, das Lesen aber wird nicht eingestellt.
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern eine schöne und erholsame Sommerzeit, aber auch eine erlebnisreiche Ferienzeit voller Sonnenstunden - oder umgekehrt!
Herzlich, Marissa Conrady
PS - Bei Langeweile oder schlechtem Wetter, bietet es sich an, ein wenig auf facebook vorbei zu schauen: www.facebook.com/pages/Marissa-Conrady/154763577877910 

Donnerstag, 21. August 2014

Geheimer Gruß

IMG_20140821_170652Wenn ich diese Schrift im Briefkasten vorfinde, dann freue ich mich immer. Über die netten Zeilen und überhaupt grundlegend über diese unerwartete Korrespondenz. 
Zu verdanken ist sie eigentlich meiner Freundin Bibliophilin. Dort besprach ich eines Tages  im Jahr 2011 als Gastrezensentin "Sterben ist Mist, der Tod aber schön. Träume vom Himmel" von Gabriele Wohmann. Darin hat die wunderbare Gabriele Wohmann mit Georg Magirius über Gott und die Welt gesprochen, im wahrsten Sinne des Wortes. Und über dieses Buch hinweg entstand eine Korrespondenz, die mich immer wieder beglückt, begeistert und für die ich sehr dankbar bin. 
Daher, an dieser Stelle, weil ich weiß, dass Sie es lesen, herzliche Grüße und vielen Dank für das Bisherige!

Dienstag, 19. August 2014

Was bereust Du?

100_8530Sara ist jung, steht kurz vor dem Abschluss der High School und beliebt- naja, nicht weil sie Sara ist, sondern weil sie einen coolen Freund hat - Dylan - und weil sie mit Brielle befreundet ist. Die hat immer alles im Griff - selbst Saras Leben! Als dann aber Emma, die alle nur als Schlampe bezeichnen, sich an Dylan ran macht, werden die Freundinnen aktiv - zu aktiv. Spannend und aus Sicht des Teenies Sara erzählt Amanda Maciel in "Das wirst du bereuen" über das Leben an der Schule - und wie gnadenlos es dort zugeht. Ich bin, ehrlich gesagt, sehr froh, dass es an unserer Schule so nie zugegangen ist, kann mir aber durchaus vorstellen, wie so etwas passieren kann.
100_8531Um Emma - der Schlampe - einen Denkzettel zu verpassen, erlauben sich Brielle und Sara immer mehr Scherze via Facebook und im Internet. Doch die Scherze laufen irgendwann aus dem Ruder. Aggressives Verhalten und Beschimpfungen treffen auch Emmas Familie. Und Emma, die psychisch ohnehin angeknackst scheint, weiß keinen anderen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen. 
100_8532Brielle, Sara und ihre Freunde müssen dafür vor Gericht. Und die Frage nach Reue, Schuld und Vergebung steht im Raum. Leider, leider, leider bleibt mir Emma ein wenig zu platt, was aber, da die Geschichte aus Saras Sicht erzählt wird, fast wieder verständlich ist. Irgendwie hat man daher auch mehr Mitleid mit Sara, sorgt sich um ihre Zukunft und hofft darauf, dass sie wenigstens etwas lernt. Sie lernt auch tatsächlich: Nämlich, dass sie im Grunde immer nur Brielles Anhängsel war, und dass man selbst auch bereuen können muss. Zurecht ist dieses Buch der absolute MädchenLiebling.
Nicht nur die coole Farbe und das coole Cover sind dafür Grund genug, sondern auch die Story überzeugt und bringt (nicht nur) schulpflichtigen Lesern etwas bei! "Als Mrs Thale uns damals im Englischunterricht beibringen wollte, was ironie ist, hatte ich es nicht so richtig kapiert. Aber jetzt schon. Jetzt, wo ich gemobbt werde, weil ich eine Mobberin bin". S. 8
100_8533

Amanda Maciel

Das wirst du bereuen, Bastei (Boje)

ISBN: 978-3-414-82406-6

Donnerstag, 14. August 2014

Wie lange muss Liebe dauern?

10539139_605164236268933_948707214_nEs klingt ja schon ein bisschen nach Klischee: Mann und Frau heiraten heimlich, Mann stirbt plötzlich, Ehefrau und Schwiegermutter sehen sich konfrontiert und hassen sich zunächst, lieben sich aber dann. Aber Taylor Jenkins Reids Roman "Neun Tage und ein Jahr" ist weit entfernt von dieser Klischee-Opfer-Rolle, obwohl die Autorin auch gerne - und gut - mit diesen Klischees spielt.
Die Geschichte von Elsie (26) und Ben (27) wird in Rückblicken abwechselnd mit der Gegenwart erzählt. Die ist leider traurige Tatsache: Ben ist tot und Elsie seine Frau, von der niemand weiß. Nur neun Tage hat ihre Ehe gedauert. Überhaupt, ihre Liebe dauerte insgesamt nur kurz, weswegen Bens Mutter aus allen Wolken fällt, als ihr nicht nur ihr toter Sohn präsentiert wird, sondern eine Schwiegertochter, die sie nicht kennt, noch dazu. Logisch, dass Susan Elsie zunächst ablehnt. Doch die Trauer vereint die beiden nach und nach. Die Autorin spielt hier geschickt mit Klischees, widerlegt sie und widmet sich ihnen augenzwinkernd und erfrischend. Das liegt auch an der Intensität ihrer Protagonisten und an der "rückblickenden" Erzählweise. Vor allem klingen noch lange einige Fragen nach: Wann ist Liebe zu Ende? Wann ist es "die eine, große, Liebe"? Wie lange muss Liebe dauern und kann sich Trauer daran messen?
Taylor Jenkins Reid hat einen wunderbar abwechslungsreichen Roman voller Wärme geschrieben. Zunächst weint man mit Elsie um den toten Ehemann, dann lacht man über die beiden als Paar, ist wütend auf Susan, dann auf Ben und später ist man irgendwie mit versöhnt. Was will man mehr von einem Roman: Weinen, Lachen, Bangen, Hoffen und lieben? Besonders gefallen hat mir Elsies Liebe zu ihrem Beruf (Bibliothekarin), der ihr am Ende sogar ein wenig das (Über-)Leben erleichtert. Der Titel erinnert sehr an Jojo Moyes, mit deren Romanen ich bisher noch nicht wirklich warm werden konnte. Hier aber: Ein wirklich liebevoller Roman, den ich sehr, sehr gerne empfehle!

TAYLOR JENKINS REID

Neun Tage und ein Jahr, Diana Verlag

ISBN: 978-3-453-29164-5