Wenn die GroĂen gehen, dann wird oft gemunkelt, sie seien gar nicht tot, sondern nur ab- oder untergetaucht. Das GerĂŒcht hĂ€lt sich auch um den King Elvis Presley hartnĂ€ckig. Vielleicht verheiratet er ja tatsĂ€chlich in Las Vegas HeiratswĂŒtige, oder nimmt an einem Imitatoren-Wettbewerb teil und geht mit dem zweiten Platz lĂ€chelnd nach Hause. Oder er tourt derzeit durch Deutschland. Das jedenfalls legt die Show "
Elvis -Das Musical" nahe. Denn wenn Imitator Grahame Patrick die BĂŒhne betritt, dann wird der Zweifel an der Lebendigkeit des Kings so mikroskopisch klein.

2007 habe ich ihn schon einmal gesehen, im Estrel Hotel in Berlin. Damals schon war ich hin und weg - leider auch zu weit weg, um den "King" in Action auf der BĂŒhne sehen zu können. Ein Erinnerungsfoto nach dem Auftritt ist mir geblieben, ich ein pausbĂ€ckiger Backfisch, mit ebenso erhitzten roten Wangen, wie fast zehn Jahre spĂ€ter.
Das Konzert im fast ganz besetzten - und leider bestuhlten - Mannheimer Rosengarten beginnt mit dem Sinatra-Song "(I did it) My way". Und ja, sie haben es beide auf ihre Art gemacht: Elvis und Patrick, der King seinerzeit als Erfinder des Rock'n'Roll, Patrick heute als eine Art Mittler zwischen der Welt der Lebenden und der Toten.

Nach dem ersten Song wird die BĂŒhne dunkel, Nachrichten aus aller Welt verkĂŒnden das plötzliche Ableben des Kings. Danach formiert sich auf der BĂŒhne das "The Stamps Quartett" zu einem Solo im Gedenken an Elvis. Und dann beginnt die Show erst richtig.
Von Elvis AnfÀngen an in den Sun Records Studios bis zu seiner Zusammenkunft mit Colonel Parker (witzig, ironisch und definitiv liebenswerter als der echte Colonel:
Daniel Neumann) . Untermalt werden die gespielten Szenen mit original Bildmaterial. Dann blendet die Kamera in einem Blinzeln ĂŒber auf die BĂŒhne und kurz muss man da als Zuschauer schon ĂŒberlegen, was man sieht. Immerzu authentisch sind die KostĂŒme, in denen Patrick immer wieder ĂŒberrascht. Dazu einige schöne TĂ€nzerinnen, eine groĂartige Live-Band - und der Atem stock bei fast jedem Song. "My happiness", "Heartbreak Hotel" und "Are you lonesome tonight?", "Bridge over troubled water" und "Polk Salad Annie" sind nur einige davon.

Aber auch Elvis' Gospel Favoriten wie "How great thou art" oder "Sweet sweet spirit" werden zu Gehör gebracht. Und es sind gerade die etwas "unbekannteren", nicht so oft gehörten Songs, die GĂ€nsehaut machen. Besonders emotional wird es aber auch, wenn Ed Enoch von Grahame Patrick ins Rampenlicht geholt wird. Enoch hat noch mit Elvis höchstpersönlich getourt. Es st berĂŒhrend zu sehen, mit welcher IntensitĂ€t er auf Patrick eingeht. Irgendwie wird man das GefĂŒhl nicht los, dass Enoch selbst tief berĂŒhrt ist, nach wie vor getroffen von dem Verlust seines "Bruders", den er nun so eigenartig lebendig wieder neben sich stehen sieht. Noch einmal darf er mit ihm zusammen auftreten, wenn seiner alter Freund auch nur auf Leinwand zu sehen ist; in Patrick hat Enoch einen wĂŒrdigen Imitator erkannt.

- Programmheft, CD Collection, Ticket, T-Shirt auf Elvis-BettwÀsche mit roter Rose
Aber Grahame Patrick ist mehr als nur ein Imitator, er hat nicht nur die Begabung, Elvis nachzuahmen, auf der BĂŒhne lebt er den King. Ich, die ich acht Jahre nach Elvis' Tod auf die Welt gekommen bin, fĂŒhle mich plötzlich Elvis nĂ€her. Und eine TrĂ€ne kann ich mir dann am Ende bei "An American Trilogy" doch nicht verkneifen, so getroffen fĂŒhle ich mich plötzlich von Patricks Stimme.

- Frei nach "Erdmöbel": "im Elvis T-Shirt"
Ein wenig zu kurz an diesem Abend kommt fĂŒr mich dann doch Elvis' private
Geschichte, wenngleich sie auch angerissen und in einigen Bildern erzĂ€hlt wird. Aber, was will man noch in fast drei Stunden Konzert inklusive Pause packen? Solide erzĂ€hlt wird Elvis Presleys Werdegang vom LKW Fahrer zum Weltstar, einige witzige Passagen sind dabei, sie wechseln sich mit den allzu gefĂŒhlvollen oder zu wild-rockigen ab. Irgendwann aber ist auch an diesem Abend Schluss. Nach Zugabe um Zugabe beordert Patrick die Zuschauer schlieĂlich ins Bett. Einen Absacker jedoch hat er noch fĂŒr uns bereit: "Muss i denn, muss i denn zum StĂ€dtele hinaus - und Du mein Schatz bleibst hier" singt er mit Akzent. Also gehen wir mit erhitzten Wangen und schmerzenden HĂ€nden nach Hause. Was bleibt ist die Erinnerung an den King, die VortĂ€uschung eines Abends, den wir in seiner NĂ€he verbringen durften, ein Elvis T-Shirt und ein wenig Wehmut, die immer mit all diesem verknĂŒpft sein wird.
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