Ein besonderes Buchcover, das aussieht wie altes Birkenholz, oder aber wie eine Steinmauer oder aber wie Asche auf hellem Grund - es gibt viele Deutungsmöglichkeiten. Ein besonderes Cover eben für ein nicht weniger besonderes Buch. Es geht um Auschwitz, wieder einmal. Das ist nicht abschätzig gemeint. Im Gegenteil. Auch ich vertrete die Ansicht, dass es darüber nicht genügend Literatur geben kann (zum Erinnern, zum Mahnen, usw.). Es ist nur so, dass oftmals im selben Atemzug mit diesen Erzählungen gefragt wird: Was kann man eigentlich darüber noch erzählen? Oder: Kann man darüber noch erzählen? Die Antwort ist: Ja. Monika Held macht es vor. In "Der Schrecken verliert sich vor Ort" erzählt sie vom Schrecken Auschwitz', der Heiner noch immer verfolgt (vorwiegend nachts). Sie erzählt aber auch von einer Liebe - nämlich der des ungleichen Paares, das Heiner und Lena werden.
Während er mit diesem Schrecken lebt, muss Lena versuchen, erst einmal zu begreifen und damit umzugehen. Ein Experiment für beide - aber das ist die Liebe doch immer, unabhängig ihrer Herkunft.
Spannend erzählt Monika Held von dieser Liebe und erweitert damit den Diskurs (frei nach Adornos voreiligem Verdikt, nach Auschwitz dürfe kein Gedicht mehr geschrieben werden) auf die Frage: Wie sieht Liebe nach Auschwitz aus und kann es für sie Bestand geben?
Monika Held
Der Schrecken verliert sich vor Ort, Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-8387-2535-2


Für mich als Germanistin sozusagen ein "All-you-can-eat" in Buchform. Wie einige sich aufs Essen stürzen, habe ich mich auf die vielen Seiten voller Lyrik gestürzt. Dabei bin ich sprichwörtlich gestürzt, nämlich über ein Gedicht für die von mir sehr verehrte Hilde Domin und über Hahns wunderbare Wortwahl(en).
Vierzig Jahre (!) lyrischen Schaffens konzentriert in einem Band - das ist sozusagen eine volle Dröhnung. Deshalb kann man das Buch auch nur in Stückchen genießen. Aber die sind es wert - vor allem auch wert immer wieder und wieder gelesen zu werden. Mir persönlich haben die Anfangs-Gedichte besser gefallen, als die "modernen", wobei auch diese einen Reiz haben. Hahns Sprache und ihre Sprachbilder (Leben, Altern, Lieben, Sterben) haben mich fasziniert. Hätte ich nicht schon ein Thema für meine Dissertation, hier fände ich sicherlich genug Stoff. 

Ein wirklich spannender Roman, den mir dann noch mein Vater abluchste, um ihn wie gebannt in einem Rutsch durchzulesen! :-)
Maud ist alt. Sie hat Alzheimer. Ihr persönlich macht das nicht allzuviel aus - sie vergisst es ja immer wieder. Aber für ihre Mitmenschen ist sie schon eine gewisse Belastung. Nicht nur, dass sie immer wieder Dosenpfirsiche einkauft und bunkert, sondern weil sie eines immer wieder steif und fest behauptet: Ihre beste Freundin Elizabeth wird vermisst. Um das nicht zu vergessen, schreibt sich Maud immer wieder Zettel mit ihren neuesten Erkenntnissen. Immer wieder geht sie auch zum Haus ihrer Freundin. Aber Elizabeth kann sie nicht finden. Maud ist sich sicher, es ist etwas Schreckliches passiert. So wie damals, als sie noch jung war, und ihre Schwester Sukey für immer spurlos verschwand!


