Samstag, 8. Februar 2014

Über den Tod hinaus

Love
JK
100_6031Die mit Abstand schönste Verzierung hat "Was danach geschah" von James Kimmel schon einmal. Der Vogeldruck passt hervorragend zu meinem Tattoo.  Auf der einen Seite die Vögel, auf der anderen eine weibliche Person - der Bezug zum Roman wird beim Lesen deutlich. Aber halt, ich beurteile ein Buch nach seinem Cover. Kann der Roman das Versprochene halten?
100_6029
Ja, das kann er. Mysteriös beginnt hier die Geschichte der AnwĂ€ltin Brek Abigail Cuttler, denn sie ist gerade gestorben. 1994 ist sie ermordet worden. Sie findet sich wieder in Schemaja, einer Art Scheinwelt. ZunĂ€chst ist ihr alles nicht klar (und damit auch dem Leser nicht), aber nach und nach kommt Licht ins Dunkel und Brek kommt der Wahrheit nah. Sie wird "PrĂ€sentatorin" in dieser Scheinwelt. Allerdings erscheint auch hier wieder das Ende verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig offen, wie das beim Tod eben so ist.
Ein faszinierender Roman, der viele biblische Anspielungen enthÀlt, wobei man nicht unbedingt bibelfest sein muss, um zu verstehen, was damit gemeint ist. Vor allem faszinierend die Frage nach Gott, die hier im Sinne von Nietzsche aufgeworfen wird. Gott ist hier nicht tot, aber wird anders dargestellt, als der allgemein hin angenommen liebende Gott. Hier ist seine Liebe eine erzwungene. Losgelöst von allen Religionen erscheint er jedem in sich selbst.

James Kimmel

Was danach geschah, Ullstein Verlag

9783548284835

Freitag, 7. Februar 2014

Familienbande

Love
100_6100Eine weitere Schattierung des Wörtchens "Liebe" - die zur Familie. Von der Liebe zu ihrer Omama erzÀhlt in Hervé Jaouens Roman "Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind?" die 13-jÀhrige Vero. Ihre Omama hat Alzheimer.
Wenngleich auch einige Situationen mit ihr sehr lustig sind und ebenso geschildert werden, ist die Geschichte genau genommen todtraurig. Ich habe selbst mit einer an Alzheimer erkrankten Urgroßmutter gelebt. Viele Jahre spĂ€ter erst konnten wir ĂŒber die abwegigen Situationen lachen. Genau das schildert der Roman - das Lachen und das Weinen - in einer sehr leichten und liebevollen ErzĂ€hlweise, immer mit dem nötigen Respekt. Jaouens Roman hat mir gezeigt, dass Solches auch andere Menschen durchgemacht haben. Alles an diesem Roman (ob fiktiv oder nicht) sagt: Du bist nicht allein. Das macht Mut und den Roman so wunderbar zu lesen. Ich finde, er ist auch ein wunderbares Jugendbuch! 

Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind?, 

978-3-8251-7786-7

Donnerstag, 6. Februar 2014

Love for a child

Love
100_5953Heute zum Thema "Liebe fĂŒr ein Kind" - der Roman "Die Geschichte eines schönen MĂ€dchens" von Rachel Simon hat mich beim Lesen immer an den Titel "Love for a child" von Jason Mraz erinnert. 
ErzĂ€hlt wird hier eine berĂŒhrende Geschichte, im Grunde sogar mehrere Lebensgeschichten, nĂ€mlich die von Lynnie und Nr. 42 (Homer), Martha und Baby Julia.  Die Geschichte beginnt im Jahr 1968 und zieht sich hinein ins Jahr 2011. Das ist leider ein wenig langatmig, da  die erzĂ€hlte Zeit und die ErzĂ€hlzeit aneinander angepasst zu sein scheinen. Nichtsdestotrotz ist die Gesichte sehr spannend. FĂŒr mich stellt sich am Ende dennoch die Frage, ob man hier nun von einem Happy End sprechen kann oder nicht. Auch das muss wohl wieder jeder fĂŒr sich selbst heraus finden...

Die Geschichte eines schönen MĂ€dchens, Aufbau Taschenbuch
978-3-7466-3030-4 

Mittwoch, 5. Februar 2014

die hure

Love
100_6157
Gestern erschien bereits eine Rezension zum Thema "Liebe". Da der Valentinstag naht, habe ich mir ĂŒberlegt, bis dahin jeden Tag ein Buch zu eben diesem Thema zu besprechen. Heute folgt daher "die hure" von Laura Gustafsson zum Unterthema Liebemachen.
Das zunĂ€chst niedlich erscheinende Cover des Romans trĂŒgt. Denn im wahrsten Wortsinn ist dieser Roman hardcore - nicht nur thematisch, sondern auch in der ErzĂ€hltart. Auf diese muss man sich mehr als einlassen. Mitunter musste ich mich zwingen, weiter zu lesen (denn ich breche nur selten die LektĂŒre eines Buches ab!).  
100_6156
Die ErzĂ€hlung ist Ă€ußerst verwirrend. WĂ€hrend man noch denkt, es geht um Milla, die Hure werden will, Reihen sich mythologische Exkurse aneinander, werden prosaische Texte angefĂŒgt, die scheinbar nichts mit der Ausgangshandlung zu tun haben. Dass sie das doch haben, wird dem aufmerksamen Leser klar. 
100_6161
100_6160
Es geht in diesem Roman nicht nur um Prostitution, sondern vor allem um das feministische Motiv des Untergangs des Patriarchats
100_6153

Das ist teilweise erschĂŒtternd dargestellt, aber auch obszön, verwirrend und irgendwie macht es nachdenklich.  Schön sind aber in jedem Fall die kreativen EinfĂ€lle des Romans. Da gibt es schwarze BlĂ€tter (Foto) mit Prosaischem, Bildchen, Fragebögen, usw.
 Ehrlich gesagt ist es mir noch nie passiert, dass ich einen Roman wahnsinnig gerne empfehlen möchte, aber dennoch davor zurĂŒck schrecke. Hier also mein Kompromiss: Selbst eine Meinung bilden!

LAURA GUSTAFSSON

Die Hure, Heyne Hardcore

ISBN: 978-3-453-26861-6

Dienstag, 4. Februar 2014

Valentinstag naht

moloMeine SchĂŒlerinnen haben mich heute nach der ursprĂŒnglichen Bedeutung des Valentinstages gefragt. Nach einigem Überlegen kamen wir ĂŒberein, dass es neben der Kommerzialisierung von heute auf einen MĂ€rtyrer zurĂŒck gehen muss. Bei dieser Gelegenheit fiel mir ein, dass ich vom Suhrkamp Verlag mit der Kurzgeschichtensammlung "Modern love - Geschichten ĂŒber die Liebe"  herausgegeben von Susanne Gretter bedacht worden war.
Diesen Bezug habe ich nicht nur ĂŒber das Wort "modern" und die modern gewordene Bedeutung des Valentinstags gezogen, sondern vor allem ĂŒber den MĂ€rtyrer-Gedanken. Denn beim Lesen der zusammen getragenen Gedanken kam mir immer wieder dieses Wort unbewusst in die Quere. Irgendwie handeln alle Liebesgeschichten in diesem Band ein bisschen davon. Unter den Kapiteltiteln verbirgt sich immer ein kleines Martyrium: "Ich glaube, ich bin angekommen", "Das Museum der verlorenen Liebe" oder "Wir wissen alle, dass die Liebe nicht von Dauer ist" - das klingt nicht nur poetisch nach (Liebes-)Leid, die Geschichten erzĂ€hlen auch davon. Aber irgendwie erzĂ€hlen sie doch auch vom GlĂŒck, vielleicht auch nur vom Kleinen ("Ich habe mich einmal in ein MĂ€dchen verliebt, es ist schon eine Weile her".)
Auf den Stil der verschiedenen Geschichten muss man sich einlassen. Man muss offen sein fĂŒr ungeschönte Worte, unerfreuliche Eröffnungen und auch fĂŒr das Böse, das die Liebe an sich haben kann. Dann aber wird man belohnt mit tollen Liebesgeschichten die irgendwie anders sind. Texte haben unter anderem beigetragen: Alissa Walser, Franka Potente und Hanif Kureishi. (Diese Geschichten haben mir persönlich am besten gefallen.)
Wer noch ein etwas anderes Liebesbekenntnis zum Valentinstag sucht, wird mit diesem Titel fĂŒndig.

Modern Love - Geschichten ĂŒber die Liebe

Herausgegeben von Susanne Gretter
ISBN: 978-3-518-46427-4 

Montag, 3. Februar 2014

Der Schoß ist fruchtbar noch

100_6923Mit dieser Rezension habe ich lange gezögert. In der Zwischenzeit hat mein Leseexemplar von "Er ist wieder da" viele Runden unter Verwandten und Freunden gedreht. Einige haben das Buch begeistert gelesen, andere konnten damit nichts anfangen. Das beschreibt auch meinen Zwiespalt ganz gut. Ich konnte zwar etwas damit anfangen und habe den Roman auch "begeistert" gelesen, aber gleichzeitig blieb ein schaler Nachgeschmack. Daher zögerte ich es so lange wie möglich hinaus, ĂŒber den Roman zu schreiben. Definitiv lesenswert ist er, wenn man sich an die Sprache gewöhnt hat - immerhin erzĂ€hlt A. Hitler hier "persönlich". Dann gibt es einige Teile im Roman, die mir persönlich zu kriegslastig waren, was aber vielleicht auch an meinem mangelnden Wissen und fehlendem Hintergrund liegt. DarĂŒber hinaus aber macht der Roman - ich kann es nicht anders sagen - irgendwie Spaß. Denn dieser Protagonist ist schon unterhaltsam in seiner Art, die an Slapstick und Comedy erinnert. Doch dann wird mir als Leser bewusst - ich lache ĂŒber eine Angelegenheit, ĂŒber die ich in der Schule und im Studium derart viel Schreckliches gelesen und gelernt habe. (Und es sei angemerkt, dass ich nicht ĂŒber die Geschehnisse lache, sondern ĂŒber den Protagonisten in seiner Darstellung). Ich frage mich: Darf man ĂŒber Hitler lachen? Ist das vielleicht die Möglichkeit, ihm zu begegnen? 
Denn wie hat Bert Brecht das damals formuliert: "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch". Das zeigt auch der Roman in aller Deutlichkeit und ist daher auch ein brisantes Werk, das uns vor Augen fĂŒhrt, wie empfĂ€nglich man (nach all der Zeit [noch immer]) sein kann. 

Timur Vermes

Eichborn, 19,33 EUR --> man beachte den Preis!
ISBN: 978-3-8479-0517-2

Montag, 27. Januar 2014

Blogger schenken Lesefreude

Fee Schon ein Jahr ist vergangen, seit die Aktion "Blogger schenken Lesefreude" ĂŒber die BĂŒhne gegangen ist. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Toll eigentlich, denn auch in diesem Jahr gibt es die gleichnamige Aktion zum Welttag des Buches wieder. Auch ich werde dabei sein. Im vergangenen Jahr gab es hier ein GedichtbĂ€ndchen von Hilde Domin zu gewinnen. Dieses Jahr wird es kriminell: Ich verlose den Krimi "Die guten Frauen von Christiansund" von Anna Grue. 
Nicht nur ich mache mit, sondern gaaaanz viele andere Blogger auch. Das war im vergangenen Jahr schon ein tolles Ereignis, aber ich bin sicher, dass es dieses Jahr noch getoppt wird. Es geht darum, dass Blogs (wirklich JEDER kann mitmachen) zum Welttag des Buches am23.04.2014 ein Buch verlosen, also verschenken.  Wer noch mitmachen will, kann das tun.

Wenn ihr das Buch hier haben wollt, gibt es Folgendes zu beachten:

  1. Falls Ihr auch ein Blog habt, ĂŒberlegt Euch ob Ihr auch mitmachen wollt.
  2. Schaut ob andere Blogs, die Ihr verfolgt, auch mitmachen. Bzw. seht Euch die Teilnehmerliste an. Sie wird stĂ€ndig auf den neusten Stand gebracht. Aber vor allem:
  3. Verpasst nicht den Beitrag, in dem ich Euch mitteile, was Ihr tun mĂŒsst, um hier ein Buch zu gewinnen.